Sonntag, 1. Juni 2014

Offener SWAP Teil 2

Warum nähen wir?

Unsere (Ur-) Großmütter und (Ur-) Großtanten hatten dabei noch das Geld im Blick. Es verbrauchte einfach weniger Familienreserven die Kleidung selber zu nähen und aus vorhandenen Stoffen und alten Kleidunsstücken Eigenes zu produzieren. Oder sie hatten Schneiderinnen die ihnen ihre Garderobe fertigten. In meiner (Memas) Familie kam immer Tante Sofie ins Haus. Sie erhielt für einen kleinen Lohn und, für die Zeit ihres Besuches, freie Kost und Logie und schneiderte für alle Frauen der Familie die für die Saison nötigen Kleidungsstücke bzw änderte die im Haus befindliche Kleidung um. Maßkleidung für jede Frau.

Die Generation unserer Mütter hat schon in einem Übergang gelebt. Kleidung wurde zunehmend preisgünstiger, es gab auch viel mehr davon und die Auswahl war wesentlich größer. In machen Kreisen / Schichten / Gegenden war es schlechterdings verpönt "selbstgemachtes" zu tragen. In andern Gegenden bedeutete es immer noch eine gute (Haus-)Frau zu sein wenn sie permanent "handarbeitete". Die Frau hat immer etwas in der Hand. Das sind die beiden möglichen Pole, dazwischen gab es allen möglichen Variationen.

Das gilt allen nicht mehr für die heutige Zeit. Nähen ist nicht günstiger. Es verbraucht zudem mehr Zeit eigene Kleidung zu produzieren und (fast) jede von uns muss sich die Techniken und Fähigkeiten selbst beibringen. Zu unserer Schulausbildung gehört das jedenfalls nicht mehr. Und es ist teurer, für unfassbar wenig Geld gibt es heute alles was der modebewusste Mensch möchte. Zumindest wenn von Ökobilanz, sozial rechtzufertigender Produktion und guter Qualität der Produkte abgesehen wird. Und wenn man akzeptiert, dass die Kleidung an genormten Körpern gemessen ist, also "Normkörper" am besten darin aussehen.



Wir drei, Rong, Immi und ich haben ganz unterschiedliche Motive zu nähen.

Ich, Mema, habe wieder zum Hobby gefunden als ich nach dem Ende intensiver beruflicher Arbeit wieder viel freie Zeit hatte. Ich kann es mir jetzt leisten Stunden und Tag über der Produktion einer Hose zu brüten, mir aus vielen Quellen Informationen besorgen und über das Netz für mich schwierige Fragen diskutieren. Es ist Luxus für mich. Das Versinken in einem Nähprozess erzeugt einen "Flow", ein für die Lebensfreude notwendiger Zustand. Ein nicht zu verachtender Nebengewinn ist die Kleidung die dabei entsteht. Und es ist eine geselliges Hobby. Nie in meinem Leben habe ich so viele unterschiedliche Frauen in so vielen verschiedenen Lebenslagen und Lebenssituationen kennengelernt. Wunderbar.
Natürlich nähe ich auch weil ich gerade intelligente Reisekleidung brauche. Mein aktueller Stand findet sich unten verlinkt.

Ich, Rong, nähe, um mich auszudrücken. In der letzten Zeit habe ich viel über mich erfahren (müssen). Wer bin ich? Wie ist mein Geschmack? Wie sieht die Welt in meinen Augen aus und welche Botschaft ich als Frau nach außen senden möchte? Durch das Nähen und mein zweites Hobby Fotografieren, habe ich wunderbare Menschen kennengelernt. In diesem Punkt stimme ich Mema vollkommen zu. Zur Zeit arbeite ich an meine Sommergarderobe in meinen Lieblingsfarben: Schwarz und Weiss.

Ich Immi wollte eigentlich mein ganzes Leben lang schon nähen, hatte aber gleichermassen immer mit Widerständen zu kämpfen, weil ich die Zeit nicht hatte.  Heute bin ich 50 Jahre und ich nehme mir einfach die Zeit für meine Leidenschaft dem Nähhobby.


Wie geht es euch? Warum näht ihr? Was ist euer innerer Antrieb? Es interessiert uns sehr.