Sonntag, 29. September 2013

Missing Link, SWAP 2013, 2. Teil

Eigene Kleidung zu nähen ist ein wunderbares und gleichzeitig auch herausforderndes Abenteuer.

Anders als bei der pragmatischen Einstellung "ich kauf mal eben was" und "über Kleidung mache ich mir nicht so viele Gedanken" ist beim Nähen viel mehr Zeit, um über Art und Funktion der Garderobe nachzudenken. Zwangsläufig kommen der aktuelle Kleidungsstil und damit auch der eigene Körper in den Fokus.

Wir denken, dass Kleidung der Trägerin im Leben dienen soll und nicht, dass die Trägerin ihr Leben an den Kleidern ausrichten muss. Kleidung muss sich von innen gut anfühlen und idealerweise die Lebensvorstellung der Trägerin unterstützen. Bei einem Leben mit kleinen Kindern auf  Fußböden und mit ihren meist nicht sauberen Fingern sind andere Stoffe und Kleidungsschnitte hilfreich als im Büro mit Kleidungsvorschriften und Kolleginnen (und Kollegen).

Die Passform des Kleidungsstücks ist nicht von Durchschnittsmaßen abhängig, sondern jede Frau hat es, mit wachsenden Erfahrungen immer mehr, selber in der Hand, wie gut die selbst produzierte Kleidung sitzt. Vermutlich können gut sitzende Kleidungsstücke nur hergestellt werden, wenn die Produzentin mit dem eigenen Körper zumindest einen Waffenstillstand geschlossen hat. "Kühle" Analyse der "Figurbesonderheiten" ist nämlich eine wichtige Grundlage für die Passform.

Besonders spannend ist der Prozess, zu einem persönlichen Stil zu kommen. Wobei fast keine von uns nur einen Stil hat. Jede lebt in mehreren Welten mit mehr oder weniger differierenden Kleidungsstücken. Kleidung bekleidet nicht nur den Körper, schützt und wärmt ihn, sondern ist immer auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und Zeichen der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe. Immer, auch sogar bei ganz zurückgenommener unauffälliger Kleidung, sendet die Trägerin eine Botschaft aus.

Diese Prozesse bewusster zu gestalten, dazu animiert der SWAP. Jede von uns hat jetzt schon einen Monat über ihre Garderobe im Herbst 2013 nachgedacht und angefangen fehlende Bausteine zu nähen. Hier läßt sich das anschauen:

Kommentare:

  1. Das sind sehr schöne einführende Worte zum 2. Teil des SWAP2013. Es sind viele Gedanken enthalten, mit denen ich mich, seit ich Kleidung auch selbst nähe, auch intensiver befasse. Liebe Grüße, Anni

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  2. Sehr schöne Worte.....
    Wenn ich etwas selber herstelle, stecke ich viel Herzblut in ein Produkt. Dieser Prozess wiederum erzeugt ein Gefühl der Zufriedenheit, welchen ich beim Einkaufen nie erreichen würde.
    Liebe Grüße von Heike

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